Did you ever forget your heart?

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Obwohl ich nicht in Köln geboren bin und mein Sohn 25 Jahre später auch nicht, wird es wohl immer meine Heimat sein. Ich kam als ich 12 und ungeküsst war und ging mit 24 mit gebrochenem Herzen. Dazwischen lagen erste Küsse, die nach kleinem Feigling schmeckten, hilflose Techtelmechtel, unzählige Gin Tonic getränkte Mädchenabende. Verschiedene Schulen, verschiedene Wohnungen, Liebeskummer.

Ich lies so einiges zurück, für ein neues Leben in einer neuen Stadt. Glück hab’ ich gehabt in dieser neuen Stadt und doch ist da was. Diese erste Liebe, die dich verändert. Dieses Gefühl, dem alles andere später standhalten muss. Prüfend, skeptisch und nicht annähernd so unvoreingenommen wie vorher begegnet man den Dingen nun, denn da ist etwas, etwas seinen Platz nicht kampflos verlassen möchte.


Es gibt eine Millionen Geschichten und viele Gesichter, die mir durch Kopf fliegen während Conor Oberst singt: „I rememember everything, the words we spoke on freezing South Streets, And all those mornings watching you, get ready for school. You combed your hair inside that mirror, the one you painted blue and glued with jewelry tears“ und die knallgelben Rappsfelder nur so an mir vorbei rasen. In endloser Liebe für Bright Eyes habe ich meinen eigenen Spiegel in der Wohnung am Brüssler Platz blau angemalt und mit goldenen Steinen beklebt. Die Wohnung, in der ich ein halbes Jahr gewohnt hab und der es fast jede Nacht an der Tür geklingelt hat, weil irgendwer nicht mehr Heim kam. Oder wollte. 

In der ich einmal eingesperrt war, weil die Wohnungstür kaputt war und George mich mit der Leiter aus dem Fenster retten musste. Der Matratzen-Container am Rudolfplatz, in den wir reingesprungen sind und kaum noch heraus klettern konnten, meine Wohnung in der Severinstraße – Don’t look back in Anger, alle zusammen im Fenster, Silvester. Die durchgetanzten Nächte dienstags im Rose Club.


Vor ein paar Wochen hat mir jemand erklärt, 2016 wäre das Jahr der Veränderung, dies gehe aus der Quersumme 9 hervor. Der Rose Club hat dieses Jahr noch einmal Namen und Besitzer gewechselt. Und morgen eröffnet Kleiderei in Köln, in Kooperation mit Lena, bei der ich mit 22 selbst mal gearbeitet habe. Das neue Leben zieht ins alte ein.

Das Kribbeln im Bauch wird wilder, dieses Wochenende wird es heiß in Köln. 26 Grad, der Sommer bricht über uns herein. Ich kann es kaum erwarten.


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