vom Bellen im Kopf

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Die Angst und ich haben seit jeher ein ambivalentes Verhältnis. Zugegebenermaßen ist sie mein ständiger Begleiter, wenn ich mich wieder frage ob ich den Herd ausgemacht, die Kerze ausgepustet oder das Kabel vom Bügeleisen aus der Steckdose gezogen habe.

Damit mache ich dann konstant alle um mich verrückt und zwinge sie dazu, mir zu bestätigten, dass ich es garantiert getan habe. Es ist wie ein Bellen im Kopf, dass einfach nicht aufhört, hat mal ein Bekannter von mir gesagt. Die Frage: „Was könnte denn schlimmstenfalls passieren?“ ist keine akzeptable Antwort. Was mich so gruselt, ist, dass es ganz klar ist, was passieren könnte.

Dafür habe ich in Momenten, in denen völlig unklar ist, was passieren könnte, so gut wie keine Angst. Abgesehen von meinem mangelnden Vertrauen in mein Urteilsvermögen beim Überprüfen der Steckdosen vor'm Haus verlassen, bin ich eigentlich ein sehr vertrauensvoller Mensch. Vor allem scheine ich, trotz aller Erlebnisse, die dieses hätten erschüttern können, immer noch von oben bis unten voller Urvertrauen in die Welt zu sein.

 

Trotzdem hatte auch ich Gedanken wie: „Kann ich in diese Welt überhaupt ein Kind setzen?“. So viel Gewalt, so viel Gier, so viel Ausbeutung, so wenig Politik, so wenig Fairness und Nächstenliebe und an Frieden ist gar nicht zu denken.

Dann wurde ich schwanger und hatte keine Angst, zu groß die Freude und das Vertrauen darin, dass alles eh gut werden würde.

Wurde es auch. Aber manchmal liege ich Abends wach, nachdem ich beruhigenderweise festgestellt habe, dass alles aus ist, und frage mich schon jetzt, wie man seinem Kind erklärt, dass Menschen Menschen umbringen.

Aus Gier, aus Hass, aus Angst.

Kinder hauen und beißen völlig selbstverständlich andere Kinder. Die Kleinen, weil sie sich nicht anders gegen die Großen wehren können, die Großen, weil die anderen es auch machen. Wir bringen ihnen dann bei, dass das nicht geht, niemals. Dass man „Nein“ sagen soll oder „Stopp“ und dass der andere dann aufhören muss. Was man macht, wenn der andere trotzdem nicht aufhört, auf diese Frage haben wir auch keine Antwort.

Ich verstehe ja selbst kaum, was passiert, was in Köpfen von Mördern vorgeht. Wie man im Krieg oder im Terror Menschen tötet um Überzeugungen durchzusetzen oder zu siegen.

Vielleicht mache ich mich deshalb manchmal so verrückt wegen dem Kleinscheiß. Weil er leichter zu fassen ist. Weil es nicht so ohnmächtig macht.

Oder weil unsere Gehirne mittlerweile so ohnmächtig sind von der omnipräsenten Gewalt, dass ich einfach konstant beunruhigt bin und die Schuld auf das Bügeleisen schiebe.

 

 

 

 

 

 


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