ARTIII // DID YOU EVER JUDGE SOMEBODY ?

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DO UNTO OTHERS, AS YOU WANT THEM DO UNTO YOU hing in Kapitalen in jedem der Klassenzimmer meiner Grundschule. Dem zugrunde liegt das Verständnis, dass jeder Mensch gleichwertig ist und wir uns alle so behandeln sollten. Es gibt kein Recht, einen anderen zu be- oder verurteilen.


Mehr als 20 Jahre später sitze ich auf der anderen Seite eines Unterrichtsraumes, neben dem Dozenten Fabian Hart und spreche mit seinen jungen Studenten darüber, wie sie die Gesellschaft heute einschätzen. Ob es Hass gibt, ob es Menschen gibt, die andere Menschen wegen ihrer Herkunft, Religion oder Sexualität verurteilen. Sie bejahen. Erzählen von Erfahrungen und Ängsten. Es muss sich was ändern, ist das Gefühl am Ende eines langen Gespräches. Wir müssen etwas tun.

Neben mir sitzt Pola. Das ganze letzte Jahr über haben wir die Tage, die uns sprachlos gemacht haben, zusammen verbracht. Nach den Anschlägen in Paris sind wir bei der Demo mitgelaufen, im Regen, wortlos einen Schritt vor den anderen. In den Zeitungen, in den Köpfen, auf der Straße gibt es viele Erklärungen. Verstehen tue ich die meisten, ich kann politisch oder gesellschaftlich logische Schlüsse ziehen, nur nachvollziehen, wieso es bis heute ein Thema ist, dass Menschen nicht im Herzen gleich und gut sind, kann ich nicht.

Vorurteile und Schubladendenken sollen den Menschen vor Reizüberflutung schützen. Eine erste Einordnung schaffen für den Kopf, eine Entscheidungshilfe dafür sein, ob etwas oder jemand der eigenen Aufmerksamkeit bedarf oder nicht. Ein anthropologischer Ansatz, der darauf beruht, dass Vorurteile aus Erfahrungen wachsen.

Dieses Jahr, vielleicht mehr denn je, kippt diese Theorie. Vorurteile haben nichts mehr mit Selbstschutz zu tun, sondern führen zu Massenmorden, Terrorangriffen und Fremdenhass. Sie beruhen auch nicht auf Erfahrungen sondern dienen als Ausreden. Politiker benutzen sie, um ganze Wahlkämpfe zu gewinnen. Sie erlauben, dass wir zusehen, wie Menschen auf der Flucht vor Krieg im Meer ertrinken.

„Every person you meet has a story to tell“ ist ein Satz, den ich mir versuche jeden Tag vorzubeten. Wäre es nicht leicht pathetisch, würde ich ihn mir sogar aufs Handgelenk tätowieren, um ihn nicht eine Sekunde zu vergessen und jedem Menschen freundlich entgegenzutreten.

Eine ähnliche Idee haben Fabian's Studenten, ein Solidari-T - ein Shirt, mit der Bestickung ARTIII - direkt zwischen Hals und Brust. Weiß auf Schwarz. Immer zu sehen, ein Statement. ARTIII, das ist der Absatz in unserem Grundgesetz, der die Gleichheit aller Menschen, unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Religion manifestiert.

Das Solidari-T schafft eine Verbindung zwischen Träger und Gegenüber, soll Diskurs auslösen oder auch gerne einiges Kopfnicken.

Seit heute gibt es dieses zu kaufen, ein kleiner großer Reminder an ein friedliches Miteinander. Entstanden aus der Sprachlosigkeit nach dem Massaker im Pulse Club, am 12.06.2016 in Orlando, bringt es jetzt auf die Straße, was wir uns jeden Tag vor Augen halten sollten: Wir sind alle gleich. Gleich großartig, gleich ängstlich und vor allem gleich verantwortlich.




„Das Gesetz ist die Basis unserer Gesellschaft – so wie ein T-Shirt ein Basic unseres Alltags ist“ ART III. #artdrei


Weitere Artikel zu ARTIII und den persönlichen Gedanken anderer Solidarit-T-Träger findet ihr hier:

Fabian Hart: http://www.fabianhart.com/projekt-artdrei-grundgesetz/

Nike van Dinther: http://www.thisisjanewayne.com/news/2016/11/16/art-iii-das-solidari-t-das-grundrecht-auf-gleichheit/

Ann-Kathrin Grebner: http://tanzekind.de/artiii-%C2%AD-launch-des-solidaritaets-shirts-gegen-diskriminierung-good-cause/

 


Fotos von Fabian Hart, Clemens Schick, Nike van Dinther & Carl Jakob Haupt, Ann-Kathrin Grebner: Marlen Stahlhuth
Gruppenbild ARTIII Roman Rätzke 


 

 

 

 


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