Did you ever go back to red ?

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Das wohl mädchenhafteste an mir ist, dass ich mit meinen Haaren auf Kriegsfuß stehe - obwohl ich sie eigentlich liebe. An nichts schimpfe ich so sehr herum. Zu hell, zu dunkel, zu lang, zu kurz. Im Sommer entspannt sich diese Hass-Liebe Dank Sonne und allgemeiner Heiterkeit aber im Winter muss ich tunlichst die Scheren wegsperren, um eine große Depression auf Grund von Übersprungshandlungen zu vermeiden.

Wie oft stand ich morgens schon da und griff das Haar mit der linken Hand und schnitt es mit der rechten einfach ab. Nur um kurz danach meinen eigenen Verstand zu hinterfragen, mir den Irrsinn zu unterstellen und mir hoch und heilig zu schwören, solche Entscheidungen nie wieder mit halbgeschlossenen Katzenaugen nach viel zu wenig Schlaf zu treffen. Aber auch diesen Winter spürte ich schon das Kribbeln in meinen, kaum der schlafstarre entkommenen Fingern. Da kam es gerade recht, als Indola fragte - ob wir nicht Kupfer drauf tun sollen. All over - Kupfer statt Schere, yes please. Einen Versuch ist es wert, dachte ich mir. Die zauberhafte Londonerin, die meine Haare färbte, Chanel Nott war der festen Überzeugung, dass der Herr Schöpfer im Laufe des Prozesses vergessen hatte, dass ich eigentlich rothaarig werden sollte. Und auch mein Sohn Dante hat diesen Rotstich im Haar, direkt von seiner Oma. Als Kind war meine Heldin Cam Jansen, ein junges Mädchen, das ein fotografisches Gedächtnis hatte und mit Hilfe dessen exzellente Detektivarbeit leisten konnte. Ihr Haar war rot und so musste mir mein Papa als ich in der dritten Klasse war, zum Fashing mein Haar in der Badewanne rot färben -  was mehr oder weniger gut geklappt hat. Mit Anfang zwanzig als wir jedes Wochenende die Nächte zu Indie-Musik durchtanzten war es dann nochmal rot – und auch den Pony trug ich damals schon. Es wehte also auch eine Portion Nostalgie mit herein.

Immer wenn ich dann auf dem Stuhl sitze, finde ich mein Haar eigentlich doch ziemlich super, immer dann kurz bevor es weg oder zumindest in andere Farben eingetaucht ist. An Rückzug ist aber nicht zu denken, einmal getroffene Entscheidungen sind ja wohl durchzuziehen, spreche ich mir dann selbst Mut zu. Wenn's dann passiert ist, vergieße ich in der Regel Bäche voller Tränen. Zu lang, zu kurz, zu hell, zu dunkel – vorher war’s auf jeden Fall besser.

Dieses Mal kamen keine Tränen - ich gab Chanel recht und trotz nicht endend wollendem Winter ist meine Beziehung zu meinen Haaren stabil. Vielleicht muss manchmal eben doch ein Profi ran.


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