...swap your clothes ?

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Als ich Pola kennenlernte, hatte sie blaue Haare, schwarz geschminkte Augen und irgendwo an ihrem Körper, ob an den Schuhen, der Tasche, oder dem BH, prangte immer ein Leoparden Muster. 

Sie fiel mir direkt auf, an der neuen Schule, auf die ich in der 12. Klasse wechselte. Richtig kennengelernt habe ich sie aber erst abends, beim Tanzen, an einem Dienstag im Rose Club. Da gab sie dem jungen Mann mit dem ich mir den ganzen Abend über Blicke zu geworfen hatte, den finalen Schubs, mir doch endlich ein Bier auszugeben. Zum Dank willigte ich ein, mit diesem mir halbwegs fremden aber faszinierenden Mädchen Kleider zu tauschen. Weil mein Kleid so hübsch wäre. Wir verschwanden in einer Seitenstraße und tauschten hinter einem Auto Klamotten. Am nächsten Morgen streunerte ich durch meine Wohnung und suchte mein Kleid, fand aber nur ein braunes Shirt mit rosa Herzen drauf und einen superkurzen Jeansmini. Ich würde sagen, ich hatte bei dem Tausch stiltechnisch auf jeden Fall den Kürzeren gezogen. Dafür aber eine Freundin gewonnen. Etwas später zog Pola bei mir ein und wir führten das Kleidertauschen fort. Die Kleiderschränke erstreckten sich irgendwann über den Fußboden und ein richtiges deins oder meins gab es nicht mehr.

Dann machten wir Abitur, fingen an zu arbeiten, und das Kleidertauschen wurde schwieriger. Eines Abends saßen wir zusammen bei Wein, und überlegten, wie großartig es doch wäre, wenn es einen Ort gäbe, zu dem man gehen könnte, und sich Kleider leihen könnte wie bei der besten Freundin.

Darum gründeten wir Kleiderei - eine Bücherei für Kleidung. Wir bewahren, was bereits produziert wurde, kaufen Vintage ein und sammeln Ex-Lieblingsstücke von Kundinnen. Als nachhaltige Alternative zum Fast-Fashion Wahnsinn und zur modischen Stilfindung, die allem voran Spaß machen soll.

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Veröffentlicht im Slow Fashion Guide von #wardroberevolution.

Den ganzen Guide könnt ihr kostenlos auf http://www.wardroberevolution.org/ runterladen, mit tollen Facts, Hintergrundinformationen und Gedanken zum nachhaltigen Modekonsum, liebevoll kuratiert vom Stella (http://www.stellamina.com/) und Anna Kessel vom Kunstkinder Mag (http://www.kunstkinder-mag.de/). 

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